“Die üblichen Rassisten und Fremdenfeinde”

Der Journalist Klaus Kelle hinterfragt den Korrespondentenbericht des WDR2 über den Auftritt des niederländischen Islamkritikers Geert Wilders bei der Dresdner „Pegida“-Kundgebung und wünscht sich eine korrekte und vorurteilsfreie Berichterstattung auch bei Veranstaltungen, die einem nicht gefallen.

Pegida ist nicht meine Sache. Vieles, was dort verkündet wird, ist mir zu platt, zu undifferenziert. “Volksverräter”, “Lügenpresse”, “Putin hilf!” – das ist nicht meine Welt, und das wird sie auch nie sein. Eigentlich interessiert mich an diesen Veranstaltungen nur ein Aspekt: dass sie stattfinden dürfen. In einem freien Land soll jeder öffentlich sagen können, was er oder sie denkt. Das unterscheidet uns von den unfreien Gesellschaften, die es rund um den Erdball zuhauf gibt. Und die Dresdener Demos finden ja statt, so wie gestern wieder mit dem Niederländer Geert Wilders, ein beinharter Islam-Kritiker.

Nun höre ich eben im öffentlich-rechtlichen Grundversorger WDR 2 einen “Korrespondentenbericht”, der mir die Nackenhaare hochtreibt. Pegida sei praktisch auf dem absteigenden Ast, höre ich da, weil ja “nur noch” 10.000 Teilnehmer gekommen sind. Hä? Vor ein paar Tagen zogen hier und da eine Handvoll Altlinke durch die Straßen und stellten nochmal die einst machtvollen “Ostermärsche” pantomimisch dar. Das war überall in den Medien ein wichtiges Thema, in den Nachrichten der Fernsehsender – toll, die Ostermarschierer sind wieder unterwegs. In Bezug zu dem, was da wirklich stattgefunden hat, war Pegida gestern geradezu ein gewaltiger Aufmarsch. Und wer ist da aufmarschiert? Der WDR-“Korrespondent” wusste es genau, hat wohl quasi mit allen 10.000 Leuten mal kurz geredet. Seine “Analyse”: “Ein Drittel gehörte zum harten rechten Rand”. Und: “Der Rest waren die üblichen Rassisten und Fremdenfeinde.” Eine steile These, nicht von Linken-Kipping oder antifa, sondern vom “Korrespondenten” des WDR.

Lieber Herr Kollege, könnten nicht auch ein paar Menschen dabei gewesen sein, die sich Sorgen machen, ob Deutschland die Aufnahme einer Rekordzahl an Flüchtlingen bewältigen kann? Oder gab es vielleicht ein paar Leute, die Angst vor dem Islam haben? Waren vielleicht auch Schaulustige dabei, die einfach mal sehen und hören wollten, was der Wilders so für einer ist? Nein, alles “harter rechter Rand” und “die üblichen Rassisten und Fremdenfeinde”.

Ich rege mich schon lange nicht mehr über politische Agitation und Einseitigkeit in öffentlich-rechtlichen Medien auf. Der Mensch gewöhnt sich an fast alles. Aber ich würde mir wünschen, dass wenigstens in der Berichterstattung korrekt und vorurteilsfrei gearbeitet wird. Lasst sie anschließend kommentieren, was sie wollen, aber wenigstens Nachrichten und Berichte sollten sachlich sein. Das wäre schön.

Erschienen auf denken-erwuenscht.com


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